Theorie gegen die Gleichgültigkeit
 



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Überlebenskampf Skifreizeit

Sonne, Schnee, steile (geile) Pisten und natürlich jede Menge Apres-Ski! So klingt "Skiurlaub" in Ihren Ohre? Was aber, wenn sich all diese schönen Begriffe auf Jugendhaus, Sportnoten und Ausgangsperren treffen? Kurzum: Es geht um Skifreizeit, genauer gesagt um meine Skifreizeit in der zehnten Klasse.
Das sie unvergesslich war, möchte ich einmal von vornherein sagen. Wir hatten eine lange, recht entspannte Busfahrt und somit auch die besten Erwartungen von der Bude, dem Jugendhaus. Nun die bizarre Familie ignorierten wir erstmal-schließlich sprechen wir noch nicht mal ihre Sprache. Die ersten zwei Tage waren traumhaft. Wie Gessi kommentierte: "Lieber sterbe ich, als jetzt nach Hause zu fahren!" Ja, wir alle starben, wir schrien- bis wir keine Stimme mehr hatten. Wir schrien und gröhlten- die Stimmung war fantastisch. Plötzlich kamen uns die Ängste, mit der Parallelklasse reine Unsympathie zu empfinden, total grotesk vor. Ganz im Gegenteil: Wir liebten uns. "Was sind wir? Ein..." "TEAM!"wurde zu unserem Leitspruch. Mit diesem Kampfschrei eroberten wir Saalbach. Verstärkt durch den weiblichen Lehrerpart zogen wir durch Kegelbahnen und Discos, wurden aus extravaganten Nachtclubs geschmissen oder gar nicht erst reingelassen.
Doch bald zogen Wolken auf und auch die Stimmung trübte sich. Es waren nicht bloß die schneienden Riesenwolken, sondern auch die Lehrer, allmählich genervt von Alkoholgenüssen einiger Schüler und Skiabneigung, wurden etwas strenger. Es schneite und stürmte. Kaum einer wollte noch hinaus- außer die snowboadvernarrten Lehrer- und zog es, wenn nur möglich , vor, drinnen im Bett zu bleiben. Schließlich war man dort inzwischen nicht mehr allein: So mancher hatte aus der Nachbarklasse oder der eigenen Truppe einen netten Spielgefährten gefunden. Und ich meine ernsthaft Spielgefährten: Rein nach dem Motto "Ich will doch nur spielen!" würde ich über die Beziehungen zwischen den Skihaserln und den Schneerammlern (oder wie nennt man das männliche Gegenstück dazu?) kann ich nämlich nur sagen: Außer Späßen nichts gewesen!
Wahrscheinlich fehlen einfach die Nerven für eine richtige Kennenlernzeit, wenn man den ganzen Tag auf der Piste sein Bestes geben muss und abends dann auch noch so manch üble Kneipe aufs Abfeiern wartet. Was ein Stress! Und da braucht man sich dann nicht zu wundern wenn's einen heiß-kalt erwischt: Das Virus geht um! Und bevor man sich noch umdrehen konnte, tat es der Magen für einen. Genau die Hälfte aller (ausnahmsweise mal gerecht: Schüler und Lehrer) wurden von Brechreiz und Flitzekacke regelmäßig in Richtung WC gejagt. Dass dabei noch mehr Wolken aufzogen wird hier sicherlich leicht vorstellbar. Schließlich waren wir also von zweieinhalb Metern (!) Neuschnee eingemauert. Die Abfahrtzeit, zunächst angesetzt für halb acht, zog sich letztendlich bis halb zwölf und mit jeder Warteminute sank die Stimmung noch ein bisschen tiefer und hing somit schon ziemlich gefährlich am Nullpunkt.
Was nicht schon schlimm genug (empfunden) war, wurde in wirren Horrorstories zurechtgesponnen: Plötzlich bekam die merkwürdige Wirtsfamilie schreckliche Ähnlichkeit mit der Familie aus dem "Kettensägenmassaker" und der Kofferraum schien nie und nimmer die ganzen Skistöcke unterbringen zu können. Überhaupt: Es ist ***kalt und ich will nix als hier weg!

Sein oder Schein
Was hat sie nun gebracht? Unser Survivaltraining. Das frage ich mich nun genau eine Woche danach. Jedenfalls haben unsere Lehrer ein Thema, das sie exzellent für Hausaufgabenaufsatz (zum Beispiel in französisch) benutzen können. Doch was ist mit unserer Klassengemeinschaft passiert? Ein Herz und eine Seele? Nun, zugegeben das war das, was mir auch als erstes vorschwebte, als wir -bereits zu Hause- immer noch unser TEAM! jaulten. Inzwischen stelle ich mir aber die Frage, ob die nicht eher bereits Routine geworden ist. Sind wir nicht alle doch letztlich froh, nicht ewig aufeinander hocken zu müssen. Wie gut kann überhaupt eine Freundschaftsklasse funktionieren, wenn wir doch alle zusammengewürfelt wurden. Gut, zugegeben: Manche Parallelklassen ähneln noch viel mehr einer amerikanischen Patchworkdecke von tausenden Generationen... Aber irgendwann war es da, dieses Gefühl des Uns-hält-keiner-auf-weil-wir-so-ein-gutes-Team-sind-Gefühl, da bin ich mir sicher. Irgendwann, als unsere Klasse als faulste und "dunkelste" Gruppe bekannt war, als keiner der anderen etwas mit uns zu tun haben wollte, hielten wir ganz besonders zusammen.
Mein Großvater erklärte mir einmal, dass damals in den besonders harten, schlimmen Zeiten (Kriegs- und Krisenzeiten) die Familien eine viel innigere Beziehung aufweiste.
Man brauchte diesen Halt in solchen Tagen ganz besonders.
Aber braucht man heute diesen Halt denn nicht mehr? Sehnen wir uns nicht mehr nach Geborgenheit? Oder einfach nur weniger? Doch warum streben wir dann ewig danach?
Von Zeit zu Zeit höre ich immer wieder Schulkameraden klagen: "Diese ewige Unsicherheit macht mich fertig! Man weiß nicht, wenn man wirklich vertrauen kann." Man sehnt sich nach festen, soliden Freundschaften. Vielleicht auch nach wirklich festen Freunden, langen Beziehungen. Ein Widerspruch in einer Zeit des One-Night stands? Oder gilt hier das alte Prinzip, dass man immer das will, was man nicht hat. Ist es nicht viel einfacher, solche kurzen Bekanntschaften zu schließen als beständige Beziehungen aufzubauen? Trotzdem gelten Menschen, die ständig neue Leute kennen als cool. Menschen, die mehr Bekannte haben als das örtliche Telefonbuch, sogenannte It-Leute.
Nein, dieses Von-Freund-zu-Freund-Gehopse ist keineswegs pubertär. Jede dritte Ehe wird geschieden, so die Fakten.



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