Theorie gegen die Gleichgültigkeit
 



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Höflichkeit- Laster oder Tugend?

Was mir nach einem dreiwöchigem Schottlandaustausch (zum zweiten Mal) am stärksten aufgefallen ist? Nun- außer dem Linksfahren, den rot- und blaugepunkteten Schafen und den offenen Geschäfte am Sonntag- kam man diese große Freundlichkeit der Schotten spüren, für die man wahrscheinlich auch deshalb so empfindsam geworden ist, weil in Deutschland eher das Gegenteil herrscht. Ich will ja jetzt nicht gleich behaupten, dass wir Germanier alle unfreundlich und ohne Sinn für Knigge sind, aber... na ja, meine schottische Freundin sieht das schon so. Sie sagt zwar, dass zum Beispiel das Leben innerhalb unserer Familie durchaus liebevoll und nicht rücksichtslos sei, wie sie das bei fremden Deutschen in der Öffentlichkeit empfindet, aber selbst in ihrem Haus ist ein höflicheres Verhalten üblich. Und inzwischen kann ich bestätigen, dass diese Differenz nicht nur für ihre und meine Familie gilt, sondern ein gerade gentlemenhaftes Verhalten zur Pflicht der schottischen Bevölkerung zu gehören scheint.
Da ich das Glück hatte, auch einige andere Schotten bei einer Rundreise vom Westen über die Highlands bis zur Ostküste kennen zu lernen, konnte ich diese gastfreundliche (-was wahrscheinlich auch, aber nicht nur, damit zusammenhängt, dass Schottland sehr auf seine Touristen angewiesen ist-) Art auf verschiedene Weisen, wenn auch (fast) immer in einer gleichen Intensität, erleben.
Doch während ich in der ersten Woche reine Freude und Faszination über die "polite Scotts" empfand, lernte ich doch in der zweiten Woche bereits die Vorteile der nicht ganz so aufmerksamen deutschen Art zu schätzen. Zum Beispiel, wenn nicht jede Tür ein Fünf-Minuten-Hindernis darstellt, weil der Höfliche zwar die Tür aufhält, nicht aber als Erster geht...Es kann geradezu ein Wettbewerb werden, wenn zwei höfliche Menschen durch eine Tür gehen wollen, denn nicht immer löst die Regel "Ladies First" aller Komplikationen. Und wer möchte schon als unhöflich gelten?
Auch wir Deutschen empfinden ein höfliches Verhalten als Zeichen von Sitte, Respekt und sogar Stolz. Trotzdem eilt uns dieser gute Ruf nicht immer voraus. Gerade die Außenstehenden, unsere Nachbarländer halten uns für ziemlich unachtsam. Und vielleicht haben sie ja auch recht: Immer in Hektik, sehr beschäftigt und voller Weltsorgen oder einfach zu faul- um die Knigge und Sitte immer zu beachten, fehlt uns Zeit oder anders gesagt, wir wollen sie uns oft nicht nehmen. Natürlich trifft diese Anklage nicht auf alle zu, aber eher auf die Deutschen als auf die Schotten.
Doch ist es überhaupt erstrebenswert so superhöflich zu sein? Net Flanders aus den Simpsons zum Beispiel: Dudelidu, dudelidei, ist er nicht nett? Unheimlich höflich, nicht? Trotzdem würde Homer nicht mit ihm tauschen (na ja, was heißt hier „tauschen“? Die Person, die am meisten von einem höflichen Menschen profitiert ist ja weniger sie selbst, sondern der Mitmensch...) Die Sache ist die: Wie alle positiven Eigenschaften kann auch die Höflichkeit im Extremen ein richtiges Laster werden, eine echt nervige Gewohnheit.
Doch das Schlimmste ist, dass dieses Laster an einem anderen Menschen nicht so einfach zu bemängeln ist wie andere. Es sagt sich leichter: „Hey, deine rohe Art, dein Gerülpse geht mir auf’n Senkel!“ als zum Beispiel: „ Dein nettes Verhalten und deine Zuvorkommendheit stört mich enorm!“ Schon allein, weil es einfacher und üblicher ist, zu unfreundlich zu sein anstatt zu freundlich.
Aber es gibt sie tatsächlich: Diese ultra-mega-höflichen Menschen.
Und weil ich einen solchen Menschen –übrigens in Schottland- kennen gelernt habe, schreibe ich. Natürlich ist es für mich keinen Grund, jemanden weniger zu mögen. Ab und zu allerdings einer, von diesem jemand etwas genervt zu sein. Zum Beispiel, wenn diese Person zu höflich ist, nach einem Glas Wasser zu fragen, wenn sie durstig ist. Deshalb sah ich es als meine Verpflichtung an, so höflich zu sein (  )und ständig nachzufragen, ob sie etwas zu trinken möchte.
Es gehört auch noch eine Mischung aus Schüchternheit und sehr starker Akzeptanz von Normen dazu, ein zu netter Mensch zu werden. Die wirklichen Nachteile dieses Verhaltens sind aber nicht die schon erwähnte genervte Reaktion der Mitmenschen, sondern die Benachteiligung des eigenen Egos. Jemand der sehr höflich ist, muss sich selbst stärker kontrollieren als unhöfliche Menschen, demnach ist die Gefahr zu „explodieren“ für Gentlemen und Gentlewomen besonders hoch. Denn sie schlucken jegliche Wünsche, die für ihre Mitmenschen als Unannehmlichkeit empfunden werden könnte, hinunter. Dass das früher oder später zu schlechter Laune bis hin zu Wutausbrüchen führen kann, ist vorauszusagen.
Wie immer gilt es auch hier, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Und ehrlich gesagt: Ein nettes Nein, eine höfliche, jedoch konsequente Ablehnung empfinde ich auch nicht wirklich als unhöflich. Und trotzdem beward es den Kessel vorm Überkochen.



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